Schlittschuhschleifen ist absolute Präzisionsarbeit
Informationen für technisch Interessierte von Patrick Kharadi:
Sämtliche Schlittschuhkufen benötigen einen sogenannten Hohlschliff. Davon ausgenommen sind Kufen für den Eisschnelllauf und Eishockey-Torwart.Das Wichtigste an einem Hohlschliff ist nicht nur die konkave Form, sondern die Kanten selbst. Diese müssen exakt auf gleicher Höhe sein und genau hier beginnt die Problematik diverser Schleifbetriebe.
Was passiert bei falsch geschliffenen Kufen?
Früher war alles besser oder mal einfach gesagt, früher war alles etwas einheitlicher.
Es gab bis spät in den 90er-Jahren nur wenige Kufenhersteller, die allesamt unter die vielen Schlittschuhmodelle montiert wurden. Diese Hersteller hatten sich auf ein Breitenmaß von 2,8mm bei Eishockeykufen und 3,2 mm bei Eiskunstlaufkufen geeinigt.
Auch die Form der Kufen war recht einheitlich. Es gab nur marginale Unterschiede, je nach den Vorlieben der Eisläufer waren sie etwas bananenförmiger oder etwas gerader geformt. Die Form selber hat jedoch keinen Einfluss auf das Schleifergebnis des Hohlradius, sondern wirkt sich direkt beim Eislaufen unterschiedlich aus.
Voraussetzung ist jedoch ein “gerader Hohlschliff”, also beide Kanten auf gleicher Höhe, egal wie stark die Tiefe der Hohlrinne ausfällt (siehe Hollows).
In den meisten Eissportstätten stehen kleine Universalmaschinen mit nur einer Schleifscheibe. Der Schleifer müsste bei jedem neuen Schlittschuhpaar eine kleine Höhenkorrektur vornehmen.
Da diese sehr aufwendig ist, wird sie erfahrungsgemäß einfach ausgelassen.
Ich selbst konnte das sehr häufig beobachten. Da wird die Kufe eingespannt und einfach drauf los geschliffen.
Somit ist ein schiefer Schliff vorprogrammiert.
Bei einem “schiefen” Hohlschliff ist eine der Kanten etwas höher als die Andere. Fällt dieser Höhenunterschied stark aus, merkt der Läufer ein einseitiges Wegrutschen, entweder nach innen oder außen. Fällt der Höhenunterschied nur leicht aus, besteht immer noch die Gefahr, bei einem raschen Kantenwechsel zu verschneiden. Dabei passieren auch den erfahrenen Eisläufern häufig böse Stürze.
Nur ein Hohlschliff mit gleich hohen Kanten lässt sich durchweg harmonisch steuern und beschleunigt den Lernerfolg.
Welche Lösungsansätze konnten wir auf der INDOO Eisarena bieten?
Es gibt eigentlich nur zwei Lösungen für das Höhenproblem: mehrere Schleifmaschinen oder eine leicht verstellbare Höhe in der Einspannvorrichtung.
Wir haben uns für beide Lösungen entschieden. Der Weltmarkführer professionellerSchlittschuh-Schleifmaschinen “Blademaster” aus Kanada hat mit den Dreikopf-Maschinen die Lösung schlechthin parat. Jede dieser Maschinen hat drei Schleifeinheiten mit je einer Schleifscheibe. Davon besitzen wir insgesamt zwei, also sechs verschiedene Schleifmaschinen mit je schon unterschiedlich voreingestellten Höhen für die gängigsten Kufen. Für die sogenannten Exoten haben wir Schnellspanner mit Feinhöhenjustierung. Somit ist die Höheneinstellung sichergestellt.
Leider sind diese Maschinen in Deutschland sehr selten anzutreffen. Der hohe Anschaffungspreis wird hier ein Grund dafür sein. Diese amerikanischen Dinger sind halt sehr teuer.
Warum kann trotz eines geraden Hohlschliffs der Eisläufer trotzdem wegrutschen?
Auch das ist wieder ein Problem der Billighersteller. Diese montieren ihre Kufen teilweise so schief unter die Sohlen, dass unter Umständen sogar absichtlich schief geschliffen werden muss, um so etwas auszugleichen.
Diesen Schiefstand kann man teilweise schon mit einem Blick der Kufe in eine Lichtquelle entdecken. Einige dieserMeisterstückehaben einen extremen Bogen, sind also völlig unter Spannung aufmontiert worden.
Es ist ratsam, diese Problematik schon durch selektieren beim Kauf auszuschließen.
Es gibt außerdem noch viele andere Faktoren, die beim Kauf beachtet werden sollten, dies sprengt jedoch den Rahmen dieser Informationsseite.
Grundsätzlich würde ich Ihnen empfehlen, beim Fachhändler zu kaufen, nicht im Warenhaus oder Lebensmitteldiscounter. Bei den gängigen Markenherstellern taucht das Problem auch eher nicht auf. Gute Fachhändler haben aktive Eisläufer im Verkaufspersonal stehen. Die kennen oft die Tücken.
Zurück zum Schleifen:
Ein anderes großes Thema ist die Überhitzung des Stahls.
Da gibt es ein kleines Sprichwort: “siehst du die Funken hoch beim Schleifen fliegen, lass deine Schlittschuhe besser gleich beim Schleifer liegen”.
Ist ein Stahl auch nur einmal beim Schleifvorgang überhitzt worden, ist seine Beschaffenheit und Struktur zerstört und für das Eislaufen somit nutzlos. Dies passiert unerfahrenen Schleifern gerne mit den teueren Modellen hochwertiger Legierungen. Härtere Stahle müssen mit sehr viel mehr Feingefühl geschliffen werden. Eine Überhitzte Kufe wird in Folge extrem schnell wieder Stumpf und hat sehr schlechte Gleiteigenschaften (schwerfällig).
Wer bei uns den Schleifern auf die Finger schaut (dies wird Ihnen gerne ermöglicht), sieht beim Schleifvorgang nur ein sehr geringen oder sogar gar keinen Funkenflug. Nach dem Schleifvorgang kann die Kufe sofort angefasst werden. Sie ist allenfalls etwas warm, mehr nicht.
Des weiteren haben wir ein eigenes Rezept für die Schonung, ohne das der Schleifvorgang dabei deutlich länger dauert.
Dieses Rezept möchten wir aber wie ein guter Bäcker für uns behalten.
Noch ein kleiner Tipp:
eine Fehlstellung der Füße, z.B. durch O-Beine oder Senk- und Spreizfüße kann und sollte nicht durch den Höhenunterschied der Kanten ausgeglichen werden.
Ein solches Problem muss über den Schuh (Sohle, Montage) angegangen werden.
Sie sehen, so ein Thema kann ein ganzes Buch füllen. Dieser Ratgebertext soll Sie vor unangenehmen Überraschungen bewahren. Achten Sie beim Schleifen ihrer Schlittschuhe nicht nur auf den Preis, sondern mehr auf die Qualität.
Der kleine Mehrpreis gegenüber einemSchnellschusterwird sich beim Eislaufen mehrfach bezahlt machen.
Wo ein Profi schleifen lässt, kann auch der Anfänger beruhigt schleifen lassen.
Viel Spaß auf dem Eis,
Patrick Kharadi und das Schleif-Team von der INDOO Eisarena |